Es ist also endlich so weit – es ist Sonntag. Zehn Kreuzchen auf kleinen Papierfetzen, hängend an unserer Küchenwand, sind gemacht. Das bedeutet für Corinna und mich, dass einige Vorbereitungen getroffen werden müssen, um es unseren Gästen so angenehm – also europäisch – wie möglich zu machen. Wie erledigt das ein Bayer? ER KAUFT WURSCHT!
Wir machen uns also ein weiteres mal auf zum feria agricultura, um Schinken und Chorizo zu besorgen. Richtiges Brot und Käse liegen bereits, genauso wie eine neu gekaufte Decke beim pequeno mundo, im Gefrierfach, Kühlschrank bzw. Gästebett bereit.
Schon relativ bald geht es los zum Flughafen, die Gäste sollen ja nicht warten. Ich hätte mir mehr Zeit gelassen aber Corinna hat recht. Der Flug kommt einige Minuten eher und wir brauchen länger als geplant, weil wir in der Stadt nicht den kürzesten, sondern schönsten Weg laufen und wir einem vermutlich Obdachlosen Blinden Sekundenkleber abkaufen, weil er uns wirklich leid tut. Er kann an Corinnas Hand erfühlen wie hübsch sie ist und lässt uns freudestrahlend ziehen. Es kann wirklich einfach sein einem Menschen ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern. Gut gemacht, Corinna!
Ein bisschen Zeit haben wir noch, also gibt’s was zu Trinken und viele Aufregungszigaretten, bis sie endlich durch das Glas, an dem unsere Nasen und Willkommensschilder kleben, gesichtet werden können. Juhu, sie sind da! Was werden wohl die ersten Eindrücke der Beiden sein. Wird es ihnen gefallen und inwieweit esntspricht unsere Tourplanung ihren Vorstellungen. All das schießt uns nur ganz kurz drch den Kopf, weil wir einfach froh sind, in bekannte Gesichter zu blicken und mit bekanntem Bayernton zu sprechen. Für mich ein bisschen schwieriger als für Corinna, schließlich sinds dann doch Niederbayern, die mit einigermaßen befremdlichen aber doch heimisch klingenden oralen Buchstabenkombinationen aufwarten.
Daniela und Dominik sind zwar ein bisschen müde, können sich aber doch noch auf den Beinen halten und sich in eine von den Nachbarn Lorenz und Katrin empfohlene Pizzaria namens PANE & VINO schleppen. Nicht schlecht der Tip, kann man weiterempfehlen. Nur ein Bier und ein Cola dauerts, bis wir uns auf den Nachhauseweg machen. Dominik und Daniela fallen geschafft von der anstrengenden Reise ins Bett und Corinna und ich planen die letzten Reisenotwendigkeiten – Auto, Unterkünfte, mögliche Ziele und Sehenswertes. Der Sonntag ist vorbei, die letzten organisatorischen Telefonate werden am Montag geführt und der Urlaub beginnt.
Natürlich haben wir frei. Meine Geschichte kennt ihr, Corinna hat Schwesterschaftsurlaub. Früh morgens stehen wir auf und bereiten ein über die Maßen leckeres Frühstück. Pannkuchen, Ei, Brot, Fleischerzeugnisse für die -zeit und verschimmelte Milch in schmackhafter Form zubereitet sind dabei. Marmelade darf auch nicht fehlen, auch N(ut)ella gibt es. Wir machen uns auf in die Stadt. Der Bus bringt uns dort hin und die Besucher lernen einige schöne Orte der Hauptstadt Costa Ricas kennen, schlendern durch die Uni (UCR), Parks und Geschäfte. Eine der Hauptattraktionen stellt das Café Correos dar. Strömender Regen lässt uns dort einkehren und Kaffeespezialitäten der Weltmeisterin und Kuchen genießen. Ich werde übrigens trotz Schrim gefragt, ob ich nicht noch einen zweiten Kaufen möchte. Jeder kann sich also vorstellen, wie das erst vor kurzem gekaufete Billigteil ausgesehen haben muss. Schon relativ früh gehen wir nach Hause um später am Abend richtig dicke Burger essen zu können. Dominik stellt erstmalig seinen schier unergründlichen Magen zur Schau und ich vergesse meine Tasche im Restaurant. Mama, sorry aber dein Übersetzer war auch drin.
Dienstag Morgens geht alles ein bisschen langsamer als geplant. Das Auto muss also bei www.wild-rider.com ein wenig auf uns warten. Ein Taxi bringt uns mit all unserem Gepäck dort hin. Die Leute in der von Deutschen geführten Autovermietung erweisen sich als saufreundlich, geben uns noch einige gute Tips und Kartenmaterial zur Hand und schon geht’s endlich los mit einem Gefährt, dass uns die bisher stets erhoffte Freiheit im Land der grünen Welle schenkt. Ich nenne CR einfach mal Land der grünen Welle, da sich die Fahrt im Daihatsu 4×4 durch hügeliggrüne Landstriche wie der Ritt auf einer Welle der Zufriedenheit darstellt. Außerdem ist es üblich, rote lichter der semaforos zu ignorieren.
ENDLICH EIN AUTO UND TUN UND LASSEN WAS MAN WILL!
Die erste Fahrt fürht uns raus aus der Stadt vorbei an kleinen Dörfern, mittleren Städten, faszinierender Natur und über viele engspurige Brücken, die den Blick auf bezaubernde Flüsse bieten. Die Straßen sind klein und unterschiedlich beschaffen. Es gibt die guten und die schlechten, aber leider auch die richtigen und die falschen. Wir verfahren uns einmal, was aber zu zwei lustigen Begebenheiten führt. Wir halten an einem kleinen privat geführten Supermarkt, um dort einigen Reiseproviant zu besorgen, da es scheint, als wäre Wurst auch für Bayern nicht all das was glücklich macht. Die Begebenheiten:
1. Dominik muss das Klo benutzen aber es gibt keins. Kurzum lädt die Kassendame den lieben Herrn zu sich nach Hause ein, wo er dann sein Geschäft verrichten darf.
2. Weiterhin bemerkt der Mann, er vermutet richtig, dass wir auf dem Weg nach la Fortuna (Volcan Arenal) sind, dass wir die falsche Straße benutzen. Einige wild durcheinander auf einem Papier verteilte Striche sollen uns den Weg leiten. Kombiniert mit einigen wenigen Ortsbeschreibungen finden wir tatsächlich den Pfad.
Wir kommen nach einigen Stopps an Naturschönheiten und einer kleinen Soda gut gelaunt in La Fortuna an. Wir machen die Feststellung, dass es in Costa Rica in den seltensten Fällen genügt nur eine Person nach dem Weg zu fragen. Zwei Männer schicken uns nach Corinnas Frage nach der Verortung des gebuchten Hotels in die völlig falsche Richtung. Nicht so schlimm, da wir den Volcan Arenal
auf diese Weise von allen Seiten betrachten können. Trotzdem fahren wir einige Kilometer falsch, bis wir uns entschließen, bei einem Souvenirshop abermals nach dem Weg zu fragen. Die Frau kennt sich aus und es dauert nicht lange bis wir in unserem Mittelklassehotel ankommen. Es ist sehr heiß, wir spannen aus, da wir uns auf wohlig warme Quellen vorbereiten wollen. Die Umgebung des Vulkans bietet zwei Anlaufstellen für Entspannungswütige. Ein hauptsächlich von Ticos besuchtes und weniger pompös ausgestattetes Thermalbad und das Gegenstück als Luxusversion ausgebaut. Natürlich bevorzugen wir die günstige Variante, der beiden direkt nebeneinander gelegenen Angebote, doch leider kommt alles anders als geplant. Seit 2006 befindet sich die günstigere Version in Umbauarbeiten und ist deshalb Abends nicht zugänglich. Es fehlt schlicht und ergreifend das Licht. Des Weiteren verschweigt der Lonley Planet von 2007, dass die Luxusversion anstatt den verprochenen 27 Dollar für den ganzen Tag 45 Dollar für die Abendstunden (von 18:00 Uhr bis 22:00 Uhr) kostet. Konkurrenz belebt das Geschäft heißt es so schön. Konkurrenz ist aber nicht vorhanden, das Geschäft lebt trotzdem ungemein gut und noch dazu werden monopolmäßige Renditen erwirtschaftet. Wir lassen uns nach längerem Überlegen trotzdem nicht abschrecken und nutzen die seltene Möglichkeit, in vulkanischem Quellwasser mit bis zu 42 Grad Celsius zu baden. Noch heute bin ich im Zwiespalt, ob es wert war, den schier aberwitzigen Preis für ein Thermalbad zu bezahlen, aber ich bin froh, es erlebt zu haben und dort gewesen zu sein. Ein Fluß verbindet verschiedene natürliche und angelegte Becken. Das Ganze ist – so wirkt es zumindest – eingebettet in Urwald und die Beleuchtung bei Nacht ist wunderbar. Wer Geld ausgeben will, sollte hier unbedingt mal hin. Wer das ganze günstiger haben möchte muss sich noch ein wenig gedulden, bis die alte „Billigvariante“ fertig renoviert ist.
Unglaublich erholt und entspannt verziehen wir uns nach einem weitern Burgermahl ins Bettchen und freuen uns auf den folgenden Tag. Dann geht’s auf in die Karibik.
Schon früh Morgens geht es los, Frühstück gibt’s aus dem Supermarkt, Kaffee aus dem Bäutel. Wir starten so früh, damit wir trotz eines Abstechers zum catarata de la Fortuna
nicht zu spät in Cahuita ankommen und nicht in der Nacht den Zustand der Straßen erraten müssen. Corinna sitzt am Steuer und es sind nur etwa 10 Kilometer zum Wasserfall, also ca. eine halbe Stunde. Die letzte Teilstrecke stellt sich als überaus unbrauchbar da. Eine reine Sandstraße hat ihren Reiz, das ist klar, wenn sie jedoch mit Stahlgittern unterlegt ist, das ab und an seine scharfen Enden zur schau stellt, ist höchste Vorsicht für die Reifen geboten.
Der Wasserfall kostet pro Nase 7 Dollar Eintritt – aber es lohnt sich. Nach einem etwa zwanzigminütigem Abstieg in ein grünes Tal, bietet sich uns ein unglaublicher Anblick. Von ca. 70 Metern Höhe fällt das Wasser vorbei an moosbegrüntem Stein in eine selbst ausgehölte Wanne. Es ist möglich, sich hier von einigermaßen anstrengenden Abstieg zu erfrischen.
Allerdings sollte man sich nicht unbedingt den Rücken von Wasser massieren lassen. Ein kleines Stückchen flußabwärts schlüßen wir in die Badesachen und machen es uns ein Stündchen gemütlich. Ein sehr schönes Erlebnis, aber es soll weitergehen, damit Daniela und Dominik schnellstmöglich ihr erstes Karibikerlebnis verbuchen können.
Wir freuen uns auf die Fahrt durch bis jetzt unbekanntes Terrain in Costa Rica. Wir fragen einen Stummen, nach dem Weg, fahren vorbei an einem bizzaren Maschienenfriedhof
genießen die freihe Fahrt und fühlen uns wohl.
In Deutschland wird der sooft beschieriebene Schilderwald in nur geringen Zeitabständen vom Volk und den Medien gerügt. Man stelle sich vor, wie schön wäre die Landschaft ohne Schilder, wie einfach wäre das Vorwärtskommen mit dem Auto, gäbe es nicht all diese lästigen Maßregelungen im Straßenverkehr. Hier in Costa Rica, wir kennen noch nicht das ganze Land, also im näheren Nordwesten San Josés, ist all dies kein Problem. Man hat auf der Karte eine Route ausgemacht und wähnt sich stets auf dem richtigen Pfad. Bloß ab und an kommt es vor, dass man in einer Stadt ankommt, die eigentlich nicht auf der Karte eingezeichnet ist. Oder doch, ist die nicht da irgendwo im Süden? Naja, es gibt ja jeden Ort mehrmals! Übrigens weiß man erst, in welcher Stadt oder in welchem Ort man sich befindet, wenn man zufällig an einem Spuermarkt vorbeifähts, der den Namen seiner Herberge trägt. Auf jeden Fall hilft die beste Straßenkarte nichts, wenn es keine Schilder gibt und weit mehr Abzweigungen wie eingezeichnet. In einer er genannten Städte gibt es dann nur Einbahnstraßen. Wie auch immer, wir haben uns vorgenommen, immer mindestens zweimal zu nach dem Weg zu fragen, tun dies und kommen damit immer wieder auf die Straße, die in die Karibik führt.
Die Straßen führen abermals durch hügelige bis bergige grüne Landschaft, immer wieder bieten sich gemütliche Sodas an. Eine davon besuchen wir und ich für meinen Teil esse mein bis dahin bestes Casado. Darüber hinaus kommen uns beim Nachmittagsessen noch drei Tukane
besuchen. Die esten dieser Art für uns in freier Wildbahn.
Damit ihr einen kurzen Eindruck von der Soda gewinnen könnt:
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Sie liegt fast am Gipfel eines kleinen Berges
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Mit uns essen zwei weitere Touristen und ein Trucker
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Der Kellner schläft, bis er von den Gästen aufgeweckt wird
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Die Chefköchin versteht kein spanisch, sieht aber sehr nach Tica aus
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Daniela will eine Banane, ich bestelle beim zahlen eine und will sie zahlen. Der gerade geweckte Kellner (maximal 18) lacht mich aus, winkt ab sagt: „nimm da halt eine“ und legt sich neben seinem Taschenrechner wieder zum schlafen
Ohne weitere Probleme schaffen wir es bis nach Limon, eine Stadt, die wir relativ schnell passieren wollen. Die Hauptstadt der Karibik und des Handels. Wir waren nie dort, aber uns wurde auch immer abegeraten, die Stadt zu besuchen. Hafenstadt, hohe Kriminalität, es wird dunkel, ziehmlich dreckig und noch nichts von Reggae-Flair zu spüren.
Corinna sitzt noch immer am Steuer, sie will es auch nicht verlassen und es beginnt eine mehr oder weniger abenteuerliche Fahrt entlang der Karibikküste bis zum Ersten Ziel: Cahuita.
Ach ja, wie war das noch gleich?
GEWINNSPIEL!!!
Wie kann es ein Bayer schaffen, es Besuchern so angenehm wie möglich zu machen?